Ursprünglich für Reiseberichte aus Südkorea gedacht, hier etwas in eigener Sache:
Während der von Guido Westerwelle populistische geplante und deplatziert Vergleich als Warnung vor dem Vollversorgerstaat gedacht war, so darf die struktur- und damit auch die hochschulpolitische Entscheidung der Landesregierung mit aller Deutlichkeit als “Spätrömische Dekadenz” bezeichnet werden. In der spätrömischen Zeit (um 450) degenerierte das weströmische Reich zu einem Entwicklungsland, während das Patriziertum in Luxus und Verschwendung lebte. Es ist lange bekannt und bedarf keiner weiteren Bestätigung durch eine Kommission, dass die Landesregierung der Universität Flensburg seit Jahren keine adäquate und im Vergleich zur CAU in Kiel entsprechende Finanzierung zukommen lässt. Dennoch haben junge Menschen aus der gesamten Republik – und auch weltweit – durch innovative Studienkonzepte den Weg nach Flensburg gefunden. Grundpfeiler dieses Erfolges sind die deutsch-dänischen Studiengänge und die Kooperation mit den Partnern Sonderburg und Odense. Es ist einer der “Leuchttürme” grenzüberschreitender Zusammenarbeit in der Region, die vom Ministerpräsidenten gewünscht und gefordert wurden. Statt dies zu erhalten oder gar zu fördern, lässt man es – ganz nach spätrömischer Manier – verfallen. Das Patriziertum in Kiel badet in Champus: Multi-Media-Campus, Murmann Business School (beide Projekte sind gescheitert!) und als neuste Idee, die Bemühungen um die Exzellenzinitiative mit Themenbereichen wie “Public Responsibility: Diversity and Gender Management”, für die die CAU nicht gerade bekannt ist und an denen kulturwissenschaftlich ausgewiesene Hochschulen wie die Humboldt Universität gescheitert sind. Es scheint genug Geld für hochschulpolitische Experimente an anderen Standorten zur Verfügung zu stehen. Zu erwähnen ist auch der 45 Millionen Euro schwere Umzug von Geomar an die Nordsee. Ein Betrag der den Spareffekt der durch den Abbau der Wirtschaftswissenschaften in Flensburg von 1,7 Millionen Euro in sieben Jahren um ein Vielfaches übersteigt. Da ist das Gästehaus auf der Kieler Förde geschenkt. Es scheint, dass nicht viele Politiker weiter denken können, als bis zur Eider. Bis vor 150 Jahren war sie auch noch die Nordgrenze des Deutschen Bundes. Im damaligen Konflikt gab es – zwar mit anderer Konnotation – die Parole “Danmark til Ejderen” (Dänemark bis zur Eider). Auch das gewinnt bei der Gesinnung unserer Politiker wieder an Bedeutung: Vi er roede, vi er hvide…! Volksabstimmung jetzt: Landesteil Schleswig zurück nach Dänemark!

